Meinung zur Canon 5D Mark IV

Nun ist die lang ersehnte Nachfolge der Canon 5D Mark III da. Diese Gelegenheit möchte ich dazu nutzen, meine Gedanken hierzu aufzuschreiben.

 

Dies hier wird keine Übersicht über die technischen Highlights sein, sondern eine subjektive Auflistung von Dingen die mir auffallen. Wer an den technischen Daten interessiert ist: die gibt es bei Canon, Vergleiche der technischen Ausstattungsdetails in der Fachpresse. Die können das auch besser als ich.

 

Auf der Photokina ergab sich die Gelegenheit dieses technische Wunderwerk in die Hand zu nehmen. Meine Beschreibung vergleicht insbesondere die Mark IV mit der Mark II, da ich letztere nun schon jahrelang als Arbeitspferd einsetze.

Der erste Eindruck: Die Kamera liegt in der Hand wie meine 5D Mark II. Es wurden nur einige Dinge im Kleinen optimiert. Ziemlich schnell fällt der Einschalter auf. Der ist nun nicht mehr auf der Rückseite zu finden, sondern oben auf der Kamera, links neben dem Sucher. Das scheint mir deutlich sinnvoller zu sein.

Dinge bzw. Drehräder die sich bisher einfach mal so in der Tasche verstellten sind nun fixiert.

 

Eins fällt direkt auf: Das LCD-Display ist lesbarer geworden, hat aber trotzdem die bekannte Aufteilung beibehalten.

 

Etwas anderes fällt nach den ersten Probeauslösungen auf: Die Kamera liegt beim Auslösen deutlich ruhiger in der Hand, ebenso ist das Geräuschniveau zurückgegangen. Dies ist wohl eine notwendige Maßnahme um die erhöhte Empfindlichkeit gegen Verwackeln aufgrund der gestiegenen Pixelzahl auszugleichen.

Ebenso konnte ich feststellen, dass der Autofocus zumindest unter den Bedingungen in der Messehalle beeindruckend schnell funktioniert - auch bei den nicht so glücklichen Lichtverhältnissen des dunkel gehaltenen Canon-Standes. Auch wenn dies für mich als überzeugter Selbst-Fokussierer nicht so wichtig ist.

Also zusammengefasst kann ich sagen, dass aus meiner Sicht einige bisher nicht so glückliche Bedien-Elemente sinnvoll optimiert wurden.

 

Etwas fällt eher nicht auf: Die Camera ist lt. Canon 60 Gramm leichter geworden.

 

Dann stellt sich natürlich die Frage warum Canon nun von dem 50-Megapixel-Sensor Der 5Ds auf bescheiden wirkende 30 Megapixel zurückgeht - und das auch noch zum gleichen Preis verkauft.

Bei genauem Hinsehen, bzw. Betrachtung der ersten Messungen Dritter, stellt sich heraus, dass Canon geziehlt an der Helligkeits-Dynamik des Sensors gearbeitet und die Bildqualität bei steigenden ISO-Zahlen verbessert hat.

 

Beispiele bei www.dpreview erwecken den Eindruck, dass nun bei 6400 ISO eine Bildqualtät entsteht, welche die Mark II bei 1600 ISO hatte. Das sind immerhin zwei Blenden.

Allerdings reduziert sich die Differenz bei 12800 ISO auf nur noch eine Blende, es entsteht ein ähnlicher Bildeindruck wie bei 6400 ISO der Mark II.

Bisher hatte ich mich - falls irgendwie möglich - auf 1600 ISO beschränkt, hier ergeben sich nun also 2 Steps mehr Spielraum für Aufnahmen mit wenig Licht.

 

Ein ähnliches Bild entsteht bei einer Dynamikmessung, welches ich an anderer Stelle gefunden habe. Gerade bei niedrigen ISO-Zahlen wird die Dynamik um ca. 2 Blenden gesteigert, bei höheren ISO-Zahlen ab 6400 sinkt die Differenz recht schnell auf unter eine Blende. Angegeben werden hier 13,4 Blenden im Berich 200 ISO.

Auch wenn diese Beschreibung recht kritisch klingt, ich erwarte dass sich die Verbesserungen in der täglichen Praxis sehr deutlich bemerkbar machen und somit wirklich auf den entstehenden Bildern einen deutlichen Fortschritt erkennen lassen.

 

Kritische Stimmen führen an, dass andere Hersteller hier immer noch um ca. 0,5 Blenden besser sind, wobei die tägliche Praxis zeigen wird ob diese Differenz relevant wird oder als Folge dieser Eigenschaften andere Nachteile der gelobten Sensoren unterstrichen werden. Eine letzendliche absolute Bewertung kann ich hier sicherlich nicht abgeben, aber wenn ich so daran denke, dass es auch mit einer Mark II schon funktioniert akzeptable Bilder zu machen welche im Vergleich nicht direkt unangenehm auffallen, frage ich mich ob die vorliegende Verbesserung der Eigenschaften das Wesentliche ist, oder die bestehende Differenz für genau diese Messwerte zu den Konkurenz-Modellen.

 

Auch hier muß sich der Kritische Nutzer aus meiner Sicht das für Ihn interessanteste Paket heraussuchen. Viele werden ein recht pragmatisches Argument anführen: Es liegt eine umfangreiche Ausrüstung vor, die bei einem Systemwechsel teuer umgestellt werden müßte.

 

Allerdings muß ich an dieser Stelle durchaus kritisch die Preisgestaltung ansprechen: Wenn man solche Kunden über den Preis mehr oder weniger erpresst, kann auch dieser Schuß nach hinten losgehen. Und Neueinsteiger oder APC-Aufsteiger werden sicherlich eher dann doch die preiswertere praktisch gleichwertige Kamera der Konkurrenz ins Auge fassen.

 

Nun möchte ich mich noch zu den 30 Megapixeln etwas auslassen:

Bekanntermaßen wird die Abbildungsqualität insgesamt bei kleinen Blendenzahlen (offener Blende) durch die Objektivqualität beeinflußt, sprich deutlich erkennbar verschlechtert.

 

Eine Faustregel ist ja: Sonne lacht - Blende 8

 

Bei weiterem Schließen der Blende sinkt nun die Abbildungsleistung aufgrund der auftretenden Beugung deutlich ab.Und diese Absenkung beschleunigt sich bei kleiner werdenden Pixeln deutlich.

Oder Technisch formuliert: Das Aire-Scheibchen darf nicht größer werden als der Durchmesser eines Pixels, der sogenannte Pixel-Pitch.

 

Viele aktuelle Objektive und insbesondere 'historische' Objektive sind bei genauer Betrachtung auf Blende 8 optimiert.

Bei Neuberechnungen fällt auf, dass ein Optimum schon bei Blende 5,6 erreicht wird und die Qualität bei voller Öffnung deutlich höher ist als vor 2 Jahrzehnten üblich.

Der ein oder Andere wird jetzt fragen, was interessieren mich 20 Jahre alte Gläser.

Die Antwort: Viele der Aufnahmen aus meinen Gallerien sind mit Objektiven entstanden, welche im Zeitraum von Ende der 70er Jahre bis Anfang der 90er Jahre berechnet und konstruiert wurden.

Und ganz nebenbei: Einige der heute aktuellen Zeiss-Objektive basieren weiterhin auf den damaligen Rechnungen, es sind also mehr Anwender hiervon betroffen wie man unbedarft anfänglich vermutet. Bei anderen Herstellern ist dies auch nicht ausgeschlossen.

 

Und jetzt an einigen Zahlen der Zusammenhang:

Für folgende Beschreibung wird die sinkende Abbildungsleistung der Objektive bei offenen Blenden nicht berücksichtigt.

Bei 30 MegaPixeln im Vollformat kann bei Blende 8 die höchste Auflösung als Folge der Beugung erreicht werden (übrigens so gerade), bei 50 Megapixeln liegt die aufgrund der Beugung optimale Blende schon bei 5,6. Hier ist dann zu hoffen, dass die Abbildungsleistung des Objektives schon auf einem Optimum angekommen ist, falls das Objektiv auf Blende 8 optimiert ist, kann ansonsten weder die Qualität der Linse noch des Sensors wirklich ausgenutzt werden. Einschränkungen durch fehlende Tiefenschärfe sind dann auch zu berücksichtigen.

Das Ergebnis ist dann schlichtweg Geldverschwendung.

 

Übrigens, bei APS-Systemen ist diese Problematik um eine Blende in Richtung Offenblende verschoben, also erzieht man mit Sensoren um 20 Megapixel ähnliche Effekte wie hier beschrieben. Es liegt schlichtweg an der (geringeren) Pixelgröße.

 

Ich denke diese kurze Erläuterung deutet an, dass in vielen Fällen - bzw. für viele Anwender - die 30 Megapixel die bessere Konfiguration sind, insbesondere bis die auftretenden Nebeneffekte durchgehend beherrscht werden und die Objekive entsprechend neu gerechnet sind.

 

Nur als weiteres Stichwort: Es hat sich herausgestellt, dass die 50 MegaPixel-Boliden auch schneller verwackelt werden, die Faustregel 'Kehrwert der Brennweite' muß um eine Belichtungsstufe verkürzt werden. Oft wird nun die ISO-Zahl erhöht, wodurch die Bildqualität nun wiederum abnimmt. Es tritt also ein ähnlicher Effekt der Enttäuschung auf wie bei der Beugungs-Problematik.

Und es muß wohl mehr als einen Berufsfotografen geben, der mit den Eigenschaften bzw. Einschränkungen der Pixelmonster nicht zufrieden war und wieder auf ein konventionelleres Modell umgestiegen ist. Wobei es sicherlich auch die Gruppe gibt, die mit den Einschränkungen gut leben kann.

 

Zumindest für mich scheinen die 30 Megapixel ein gesunder und pragmatischer Kompromiss zwischen Fortschritt und Anwendbarkeit zu sein.

 

Ich habe mir vorgenommen, für Interessierte in einem der nächsten Newsletter die ganzen Zusammenhänge der Beugung etwa technischer zu erklären. Ich hoffe es gelingt mir dies noch verständlich zu erledigen.

 

Zu der Innovation des Dual-Pixel-Focus, also der Möglichkeit die Schärfentiefe in geringen Grenzen zu verschieben kann ich mangels Erfahrung nichts sagen, derzeit habe ich aber Zweifel, ob sich dies zu einem Killerfeature entwickelt.

 

Angenehm fällt mir auf, dass die bisherigen Akkus weiter verwendet werden können, auch wenn es eine neue Variante mit erhöhter Kapazität gibt. Diese ist Auf- und Abwärtskompatibel. Auch solche 'Kleinigkeiten' stellen für mich eine Art Nachhaltigkeit dar, wobei ich mir nicht sicher bin ob bei den Preisen von Original-Akkus eine Neuanschaffung von 2-3 Akkus wirklich als 'Kleinigkeit' durchgeht.

 

Als persönliches Fazit gilt für mich folgendes:

- Die Kamera ist eine solide Weiterentwicklung eines Arbeitspferdes in wichtigen und hilfreichen Details

- die Erhöhung auf 30 MegaPixel ist sinnvoll und pragmatisch ohne Effekthascherei

- die Verbesserungen in Dynamik und Empfindlichkeit scheinen mir in der Praxis sehr hilfreich zu sein

- der Preis ist aus meiner Sicht schwer vermittelbar, insbesondere wenn man die Preise der Konkurrenz betrachtet

- die plakativen Highlights für Systemneulinge fehlen, daher wird sich die Zahl der Canon-Anwender vermutlich nicht wesentlich steigern

 

Ich bin gespannt, ob diese Kamera ähnliche Verkaufszahlen erreicht wie Ihre Vorgänger. Ein Pfund sind sicherlich die 30 MegaPixel.

 

 


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